Laurin-Sage

Das Rosengartenmotiv spielt in der Literatur des Mittelalters eine wichtige Rolle. Man findet dieses Motiv in Sagen aus verschiedenen Landstrichen, man denke etwa an den Wormser Rosengarten. In der Laurin-Sage spielt das Rosengartenmotiv eine entscheidende Rolle. Diese wurde um 1200 erstmals aufgeschrieben, ein zweites Mal um 1500. Auch im Ambraser Heldenbuch gibt es eine Abschrift der Laurin-Sage. Das Ambraser Heldenbuch ist eine der ersten Sammlungen der mittelalterlichen Epen und für die Forschung eine wichtige Quelle.

Die Sage um König Laurin ist sehr spannend:
König Laurin hatte sein Reich im Gebirge. Seine Untertanen waren Zwerge. Als Bergleute waren sie sehr geschickt und fanden Gold und Edelsteine. König Laurin war ein edler Herr, sehr vornehm, aber eher klein von Gestalt. Er besaß einen Gürtel, der ihm die Kraft von zwölf starken Männern verlieh, und die Tarnkappe, die ihn unsichtbar machte. Am liebsten widmete er sich seinem prächtigen Rosengarten. Damit ihn niemand betreten konnte hatte er ihn mit einem Seidenfaden umgeben. Wer es wagte, diesen Faden zu durchschneiden, dem wurde ein Fuß und eine Hand abgetrennt.
Als Laurin die schöne Similde, ein Edelfräulein von einem Schloss auf den Bergen an der Etsch, erblickte, wollte er sie als seine Frau in sein Königreich bringen. Er warb in aller Form um sie, er musste aber Zauberkünste anwenden, um sie in sein Reich zu bringen. Dort zeigte er ihr alle Pracht seines Gartens. Similde freute sich sehr, alles kam ihr wie verzaubert vor. Sie hatte nur einen Zweifel, denn ihr erschien es seltsam, dass der Edelmann an ihrer Seite so klein war.
Dietleib, der Bruder Simildes, wollte seine Schwester befreien und bat den großen Dietrich von Bern um Hilfe. Sie ritten zum Rosengarten, durchschnitten mit dem Schwert den Seidenfaden und zertraten die Rosen. Erzürnt brauste König Laurin auf seinem Schimmel daher. Es kam zum Kampf, aus dem Dietrich als Sieger hervorging. Dietleib schloss die Schwester in die Arme. König Laurin sah dies mit Schmerz. Er hatte Similde verloren, seine Rosen waren zerstört und seine Krieger tot. Voll Zorn verfluchte er den Anger, der Rosen getragen hatte. Verdammt sollte er sein bei Tag und bei Nacht, da er ihn durch seine Pracht verraten hatte. Nur die Dämmerung vergaß Laurin zu nennen und so kommt es, dass der Rosengarten zwischen Tag und Nacht rot aufleuchtet.